Digital Readiness ## Deutschland und der digitale Reifegrad

Um die Digital Readiness ist es in Deutschland nach wie vor nur mittelmäßig bestellt. In einem aktuellen Digitalisierungsreport rutscht die Bundesrepublik ganze acht Plätze auf Rang 14 im internationalen Vergleich von 141 Ländern ab.

Wir verraten Ihnen, warum das so ist und weshalb sich durch die Corona-Krise aber Chancen für die Weiterentwicklung ergeben.

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Bei Digital Readiness ziehen andere Länder an Deutschland vorbei. Bild: Pixabay/2500529

Digital Readiness – der digitale Reifegrad Deutschlands

Die aktuelle Erhebung des IT-Unternehmens Cisco, das sich vornehmlich auf Router und Switches spezialisiert hat, und Gartner, einem auf die IT-Branche fokussiertem Marktforschungsinstitut, zeigt: Es liegt dieses Mal nicht nur an Deutschland selbst.

Waren in den vergangenen Jahren vor allem der fehlende Mut und die nur mäßige Bereitschaft für Veränderungen ausschlaggebend für das schlechte Abschneiden, liegt es dieses Mal eher daran, dass andere Länder einfach wesentlich schneller sind.

Da nutzte am Ende des Tages auch die Tatsache nichts, dass die Bundesrepublik zuletzt beim Digital-Index deutlich aufholte. Der halbwegs gute sechste Platz konnte nicht verteidigt werden. Im Gegenteil: Deutschland ist mit Platz 14 nun sogar aus den Top 10 geflogen.

Digital Readiness Report – Luxemburg und Island besser als Deutschland

In diesem Jahr schafften es zwei Länder in die Top 10, mit denen wohl die wenigsten Experten gerechnet hätten. Island kletterte auf Anhieb auf Platz 9, der Kleinstaat Luxemburg belegt sogar aktuell den zweiten Platz nach Spitzenreiter Singapur mit einem Index von 20,26 von 25 möglichen Punkten.

Deutschland verzeichnet aktuell 17,85 Punkte und konnte damit seinen digitalen Reifegrad um 0,17 Punkte zum Vorjahr verbessern. Generell hat die Bundesrepublik immerhin in vier der sieben Bewertungskategorien zulegen können, bei den „Wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ herrscht hingegen Stagnation und in der Sparte „Technologische Infrastruktur“ wurde sogar eine Verschlechterung verzeichnet.

Insgesamt ist das also ein Ergebnis, über das Politik und Wirtschaftsvertreter unbedingt nachdenken sollten. Und nicht nur das: Sie sollten auch dringend handeln und Anreize schaffen.

Aussagekraft von Digitalisierungsstudien

Der geneigte Leser mag sich nun fragen, welche Daten den Ergebnissen zugrunde liegen. Die Antwort darauf ist allerdings alles andere als pauschal. Die Analysten und Marktforscher von Cisco beziehen Daten aus unterschiedlichsten Quellen ein, um das Ranking vornehmen zu können. Unter anderem dienen Daten des Weltwirtschaftsforums und der Weltbank als Grundlage für die Bewertung.

Hierbei achten die Verantwortlichen allerdings penibel darauf, nur Daten zu nutzen, die in einer international standardisierter Form vorliegen. Transparenz ist schließlich entscheidend für die Aussagekraft. Parallel dazu liefert Cisco für jedes Land auch noch Empfehlungen, wie sich die Digital Readiness kurz-, mittel- und langfristig verbessern lässt.

So kann Deutschland beim digitalen Wandel aufholen

Für die Experten von Cisco sind vier Maßnahmen entscheidend, damit Deutschland wieder aufholen kann:

  • Unterstützung von Start-ups: Junge Unternehmen und Start-ups benötigen eine größere Lobby. Cisco kritisiert, dass ihnen der Zugang zu wichtigen Daten nur selten leicht gemacht wird. Um neue und innovative Dienste zu entwickeln, sei das aber eine wichtige Grundlage.
  • Wachstumsfinanzierung: Darüber hinaus regen die Experten an, über ein Programm zur Wachstumsfinanzierung von Start-ups nachzudenken. Die Beschaffung von Kapital sei nach wie vor einer der größten Hemmschuhe für junge Unternehmen.
  • Aus- und Weiterbildung: Für (zu) viele Menschen ist die Digitalisierung nach wie vor kein greifbarer Begriff. Die Verfasser der Studie regen an, ein entsprechendes Bildungskonzept zu entwickeln, das das Thema allen Menschen – von der Führungskraft bis zum operativ tätigen Angestellten – nahe bringt. Erst dadurch könnten sich neue Ideen und Ansätze quasi von selbst entwickeln.
  • 5G-Netzausbau: Das leidige Thema, das keinen Anfang und kein Ende zu haben scheint. Die Netzabdeckung in Deutschland ist immer noch stark verbesserungswürdig, vor allem in ländlichen Regionen. Darunter leidet final dann die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaftsunternehmen. Ein Spielball, der ganz eindeutig bei der Politik und den Netzanbietern liegt. Diese haben sich im Jahr 2019 die 5G-Frequenzen in einer Auktion gesichert und sich für 2020 zumindest ambitionierte Ziele gesteckt.

Es gibt also viel zu tun, aber immerhin sind hier konkrete Handlungsfelder genannt. Theoretisch müssten die Verantwortlichen also nur noch aktiv werden.

corona als digitalisierungstreiber

Nebenwirkung des Corona-Virus: Die Digitalisierung schreitet voran. Bild: Pixabay/MiroslavaChrienova

Corona-Krise treibt Digitalisierung voran

Tatsächlich hat die aktuelle Corona-Krise aber einen sehr positiven Einfluss auf die Dynamik des digitalen Wandels. Gezwungenermaßen mussten sich Unternehmen aller Branchen und Größen wenigstens mit Teilen der Digitalisierung auseinandersetzen. Ob sie nun wollten oder nicht. Selbst in typisch starren Bereichen wie beispielsweise öffentlichen Verwaltungen hielt die Digitalisierung kurz nach Ausbruch der Pandemie Einzug.

Allerdings zeigte sich auch da wieder, dass andere Länder deutlich weiter sind. E-Learning, Home Office und Video-Konferenzen waren woanders längst Gang und Gäbe, Deutschland musste seine Siebenmeilenstiefel anziehen. Aber: Sie passten. Es besteht also durchaus Hoffnung darauf, im kommenden Jahr wieder besser abzuschneiden.

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Digitalisierung

Lena Klaus

Lena Klaus arbeitet seit 2018 als freie Autorin und SEO-Expertin für das IT-SERVICE.NETWORK. Seit 2013 kennt sie die IT-Branche und hat sich in diesem Zusammenhang auf B2C- und B2B-orientierte Content-Plattformen spezialisiert.

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